Malignes Melanom

Melanome gehören zu den am weitesten verbreiteten Krebsarten. Auch bei jüngeren Frauen steigt die Melanom-Inzidenz an. Das zeigen unter anderem Daten des US-amerikanischen SEER-Registers. Eine Forschergruppe aus Ohio setzte sich deshalb zum Ziel, ehemalige Patientinnen der Cleveland Klinik mit Melanom nach Besonderheiten hinsichtlich Histopathologie, Staging, Risikofaktoren und Outcomes zu über­prüfen. Aufhorchen lassen die Ergebnisse zu den Schwangerschafts-assoziierten Melanomen. Hier kommt die Studie zu einem eher über­raschenden Schluss.

melanom

Eingeschlossen wurden in die ­retro­-spektive Studie alle Patientinnen unter 50 Jahren, die zwischen 1988 und 2012 an einem Biopsie-bestätigten Melanom erkrankt waren. Die Nachbeobachtungsdauer musste mindestens zwei Jahre betragen. 462 Patientinnen erfüllten die Einschlusskriterien, das Durchschnittsalter betrug 35 Jahre.

Frauen über 40 hatten im Vergleich zu jüngeren Patientinnen einen signifikant schlechteren Outcome: Die Krankheit war häufiger metastasiert und es fanden sich mehr positive Sentinel-Lymphknoten, ausserdem gab es  mehr Rezidive und Todesfälle. In der Gruppe von Patientinnen ≤19 Jahren waren invasive Melanome signifikant seltener (p<0,0008).

Schlechte Prognose in der Schwangerschaft

Gegenüber Nichtschwangeren wiesen die 41 Patientinnen mit Schwangerschafts-asso­ziierten Melanomen eine statistisch relevant schlechtere Prognose auf. Die Mortalität war um das Fünffache erhöht, ebenso wie Rezidive (neunfache Erhöhung) und Metastasen (siebenfache Erhöhung).

Aufgrund der Ergebnisse raten die Autoren nicht nur zu einer verbesserten Melanom-­Vorsorge bei jungen Frauen im Allgemeinen, sondern auch zu einem engmaschigen Follow-up und Rezidivmonitoring bei Patientinnen mit Melanom während einer Schwangerschaft oder im Jahr danach. Wie gefährlich Melanome in der Schwangerschaft und Stillzeit tatsächlich sind, wurde in den letzten Jahren immer wieder ­kontrovers diskutiert – mit unterschiedlichen Resultaten [1,2]. Derzeit lautet der Konsens, dass Schwangerschafts-assoziierte Melanome nicht zu einer schlechteren Prognose führen. Eine Aussage, die angesichts der Resultate der vorliegenden Studie laut Autoren zu überdenken ist. Womöglich verlangen Melanome in der Schwangerschaft doch eine neue Risiko­beurteilung.

Quelle: Tellez A, et al.: Risk factors and outcomes of cutaneous melanoma in women less than 50 years of age. JAAD 2016. DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.jaad.2015.11.014 [Epub ahead of print].

 

Literatur:

  1. Stensheim H, et al.: Cause-specific survival for women diagnosed with cancer during pregnancy or lactation: a registry-based cohort study. J Clin Oncol 2009 Jan 1; 27(1): 45–51.
  2. Johansson A, et al.: Mortality in women with pregnancy-associated malignant melanoma. J Am Acad Dermatol 2014 Dec; 71(6): 1093–1101.
     

InFo ONKOLOGIE & HÄMATOLOGIE 2016; 4(3): 3